– und alle hatten recht
Am 18. April 2026 lud der Heimatkreis Rambach zur zweiten Apfelweinverkostung ein – und viele kamen: nicht nur aus Rambach selbst, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften. Schnell wurde klar: Das Interesse am „Stöffche“ ist ungebrochen.
Die Veranstaltung stand dabei in einem besonderen Jahr, denn der Heimatkreis Rambach feiert sein 40-jähriges Bestehen. Umso passender, dass mit der Verkostung eine Tradition wiederbelebt wurde, die vor neun Jahren ihren Anfang nahm.
Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende, die die Bedeutung des Apfelweins für Region und Streuobstwiesen hervorhob, wurde mit traditionellen Essen – Hausmacher Wurst, Handkäs‘ mit Musik und herzhaften Graubrot – erstmal eine deftige Grundlage geschaffen. Hierzu gab es einen Äppler aus dem vorigen Jahr, den Vereinsmitglied Dirk Bastian stiftete. Dirk führte zusammen mit der musikalischer Unterstützung des „Hesse Michel“ durch die Veranstaltung. Dann ging es auch schon ans Probieren – und das mit System: Die Gäste bildeten kleine Grüppchen und nahmen die acht vorgestellten Äppler genau unter die Lupe. Beurteilt wurde nach Farbe, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck.
Dabei entstanden schnell lebhafte Diskussionen, fachkundige Einschätzungen – und eine Stimmung, wie man sie sonst nur aus einer urigen Apfelweinkneipe kennt. Es fehlte eigentlich nur noch der Bursche, der durch die Reihen geht und Brezeln oder „Haddekuche“ anbietet.
Acht Apfelweinwinzer aus Rambach und Umgebung hatten ihre Produkte zur Verkostung gestellt. Zwei von ihnen waren bereits das letzte Mal dabei gewesen, andere feierten ihre Premiere. Es waren : Dieter Engel – Sieger von 2017 – und die Keltergemeinschaft Hohenastheimer beide aus Medenbach und Ulf Steinmaier aus Schwalbach. Aus Rambach kam Peter Noll, die Keltergemeinschaft Sator-Häuschen und Egon Dörr, der zwar in Bierstadt wohnt aber noch immer in Rambach seine Apfelbäume pflegt. Er selbst konnte leider nicht dabei sein, lies sich durch seine Enkelin Anne Eichmann würdig vertreten. Bruder Andreas Eichmann, angesteckt durch die Leidenschaft seines Opa, präsentierte daher erstmals seinen eigenen Äppler. Dieselben Äpfel, aber ein andere Verabeitung. Spannend. Der achte im Bunde: ebenfalls neu, aber beileibe kein Neuling war Dirk Engel aus Niedernhausen. Nach der Auswertung erhielt jeder Teilnehmer eine Urkunde sowie einen Rambach-Thaler, die drei Erstplatzierten zusätzlich Gutscheine.
Doch im Vordergrund stand weniger der Wettbewerb als vielmehr der Austausch. Die Winzer berichteten von den Besonderheiten ihrer Äppler und den Herausforderungen des vergangenen Jahres. So wurde mancherorts aufgrund einer schwächeren Apfelernte auch mit Birnen verschnitten. Dirk Engel etwa griff zu einem ungewöhnlichen Mittel: Nachdem gut abgedecktes Fallobst versehentlich doch aufgelesen worden war und die Qualität nicht wie gewünscht ausfiel, half er sich kurzerhand mit Schlehen.
Andere setzen auf unterschiedliche Methoden im Ausbau – schwefeln etwas mehr oder weniger, lassen den Apfelwein kürzer oder länger auf der Hefe oder vertrauen, wie Peter Noll aus Rambach, ganz auf die natürlichen Hefen.
Am Ende setzte sich ausgerechnet dieser Ansatz durch: Peter Noll belegte den ersten Platz. Seine Reaktion brachte die Stimmung des Abends treffend auf den Punkt: „Ich habe nie mit einem der ersten Plätze gerechnet, freue mich natürlich riesig – aber ich glaube, alle haben den ersten Platz verdient. Jeder hat sich engagiert und sein Bestes gegeben.“
Dem war wenig hinzuzufügen. Denn tatsächlich zeigte sich: Keiner der Äppler war schlechter als der andere – jeder hatte seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Geschmack.
Zum Gelingen des Abends trugen auch die vielen Helfer bei – aus dem Verein und darüber hinaus. Mit großem Engagement sorgten sie für einen reibungslosen Ablauf und eine herzliche Atmosphäre. Besonders der frisch zubereitete Handkäs fand großen Anklang und rundete das „Äppler-Erlebnis“ kulinarisch ab.
So blieb am Ende nicht nur ein gelungener Wettbewerb, sondern vor allem ein geselliger Abend in bester Rambacher Tradition – ganz im Sinne des Heimatkreises, der sich schon jetzt auf die nächsten Veranstaltungen freut.